ich sehe bewusst, das erste mal :)
Ich sehe Häuser – gelbe, weiße, beige, braune und rote Häuser. Ich sehe viele Autos, wie sie am Straßenrand geparkt sind. Gegenüber sehe ich die Arkaden. Vor mir ist gerade eine rote Ampel, also gehe ich nach rechts. Ich laufe die große Straße immer geradeaus in Richtung Innenstadt. Ich sehe so vieles – und doch habe ich es vorher nie wirklich wahrgenommen.
Ich komme an der Haltestelle vorbei, an der ich morgens einsteige. Daneben ist eine Bäckerei, gegenüber ein Kaisers. Dort steht auch eine Ampel, an der ich warte, bevor ich weiterlaufe. Ich entdecke ein türkisches Geschäft mit Obst und Teppichen, danach ein Büchergeschäft. An der Ecke steht ein Wachsalon, geöffnet von 6:00 bis 18:00 Uhr, am Wochenende nur bis 14:00 Uhr.
Die zweite Haltestelle liegt an der Kirche, die gerade modernisiert wird. Wieder eine Ampel, die ich überquere, und vor mir liegt der Gerichtskomplex und die Ost-Schwimmhalle. Danach kommt die dritte Haltestelle, dort ist ein Solarium, eine Apotheke und ein Schlecker-Geschäft. Geradeaus weiter sehe ich eine weitere Ampel – rechts am Eck eine Sparkassenfiliale.
Wir sind fast in der Innenstadt. An der vierten Haltestelle stehen oft viele Obdachlose. Ein weißes Gebäude daneben bietet ihnen Essen und Schlafplätze. Bei der nächsten Ampel biege ich links ab. Ein Dönergeschäft reiht sich an das nächste, dazu Bäckereien, Sexshops, Parkhäuser und viele andere Geschäfte.
Bei der fünften Haltestelle geht es nach links, bei der sechsten wieder eine Ampel und der Busbahnhof, wo sich alle Busse kreuzen. Wir laufen weiter geradeaus und kommen direkt in die Stadt. Rechts geht es Richtung Marktplatz – ich sehe eine Bücherei, das Leonardo-Hotel und gegenüber das Aquas Grana Hotel. Ein Parkhaus, Matthes mit „Office, Wohnen, Licht“, Luigis Pizzeria, Nail Studio, viele Einbahnstraßen, Bäckerei Printen – und schließlich der Marktplatz mit Pflasterweg.
Hier entdecke ich Body-Shop, das Rathaus, ein rotes-graues Pferd, die Karls-Apotheke, einen orientalischen Teppichladen, McPaper und Kaisers. Ich gehe rein, kaufe wie immer roten Tee, zwei Brötchen, Käse und einen Joghurt. An der Kasse bezahle ich und verlasse den Laden, laufe einmal rechts, dann links – und bin auf Arbeit.
Schon Wahnsinn, was man alles bemerkt, wenn man die Augen wirklich öffnet. Das bewusste Sehen… vieles im Leben passiert unbewusst. Wir nehmen kaum Menschen, ihre Verschiedenheiten oder die kleinen Details unserer Umgebung wahr. Sogar die Prospekte, die wir zu Hause liegen haben, sehen wir kaum bewusst. Ich habe jeden Tag an der Königsgasse vorbeigelaufen – und erst heute bemerkt, dass dort meine Pizzeria Luigi’s ist! Es ist erschreckend und faszinierend zugleich, wenn man das einmal bewusst wahrnimmt.
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