das WAHRnehmen
Soooo, nun will ich mal etwas über das Wahrnehmen schreiben. Ich finde es erschreckend, wie viele Menschen blind durch die Straßen laufen – oder blind vor ihren Kollegen stehen. Es ist Wahnsinn, wie viel Desinteresse Menschen gegenüber ihrer Umgebung zeigen.
Versteht ihr, was ich meine? Ich habe die letzten Tage bewusst darauf geachtet und ab und zu meine Kolleginnen gefragt, welche Augenfarbe ich habe oder wo genau die Pizzeria Lugi liegt, die um die Ecke von meiner Arbeit ist. Glaubt ihr, sie konnten mir eine Antwort geben? Nein, natürlich nicht.
Ich habe bemerkt, dass die meisten blaue Augen haben, vier Paare braune und nur zwei Paare grüne.
Mein Ziel ist es, euch anzuregen: Probiert mal bewusst wahrzunehmen, wie viel wir täglich übersehen. Jeder nimmt anders wahr, und vielleicht versteht es nicht jeder genau so, wie ich es meine – egal. Es geht nicht um Meinungen, sondern um unser Umfeld: Abgase, Bäume, Regen, Eis; das Sehen, Hören, Riechen, Fühlen und Schmecken.
Wisst ihr, wie Regen riecht? Wisst ihr, wie sich Eis anfühlt? Wisst ihr, wie viele Geräusche es um euch herum gibt? Oder wie viele Menschen in eurem Haus wohnen? Welche Geschäfte es in eurer Umgebung gibt? Wenn ihr einmal bewusst beobachtet, werdet ihr überrascht sein, wie viel euch bisher entgangen ist.
Ihr geht jeden Tag zur Arbeit, oder? Mit dem Auto, Bus oder zu Fuß? Ich fahre mit dem Bus. Aber wie gut kennt ihr den Weg? Wie viele Haltestellen gibt es zwischen Zuhause und Arbeit? Wie viele Geschäfte? Wie sehen die Häuser aus? Die Menschen, die jeden Morgen zur Arbeit fahren – wie sehen sie aus? Wie spürt ihr den Regen? Wie riecht er? Wie fühlt sich die kalte Luft an, wenn Eis liegt?
Wie viele Nachbarn gehen jeden Morgen mit ihrem Hund spazieren – und wie sehen die Hunde aus? So viele Details, so viele kleine Dinge – und die meisten bemerken sie nicht.
Wir haben Augen, um zu sehen, Ohren, um zu hören, Hände und Beine, um zu fühlen. Wir haben alles, was wir brauchen – und doch nutzen wir nur einen kleinen Bruchteil davon. Ist das nicht traurig?
Ich finde es schön, die Luft bewusst zu spüren, den Regen zu riechen, das Eiskalte auf der Haut zu spüren. Es belebt, macht rosige Wangen, regt die Durchblutung an – und ist gesund. Ich liebe es, Menschen morgens zu begegnen, ihnen einen schönen Tag zu wünschen. Ich mag es, zu wissen, wer in meinem Haus wohnt, und mich mit meinem Umfeld zu verstehen.
Auch die Vögel, Hunde, Katzen, Mäuse oder Hasen beobachte ich gerne. Sie beruhigen einen.
Probiert es aus. Ihr habt nichts zu verlieren – im Gegenteil: Ihr gewinnt an Freude. Das verspreche ich euch.
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