Kapitel: Zwischen den Welten
Veröffentlicht auf 6. April 2026
Kapitel: Zwischen den Welten
Die Worte flogen in die Dunkelheit. Jeder Buchstabe, jede Geste, jede Verbindung zwischen Lauten schien wie ein leises Flimmern im Raum. Es war, als würde die Luft selbst nach dem richtigen Klang suchen, um eine Geschichte zu erzählen, die noch nie zuvor gehört worden war. Der Raum, erfüllt von einer unsichtbaren Melodie, schien sich selbst zu verändern, als ob die Worte mehr wären als nur Zeichen auf Papier.
„Welche Buchstaben muss ich wir kombinieren?“, flüsterte er, als die Frage wie ein Echo in seinem Inneren widerhallte. Es war nicht nur eine Frage der Sprache. Es war die Suche nach einem Code, einem Schlüssel, der Türen öffnete, die noch nie betreten worden waren. Und doch schien der Klang der Worte immer weiter zu entgleiten, als ob sie etwas anderes wollten, als er sich vorstellte.
Jeder Laut, den er von sich gab, hatte einen anderen Klang, eine andere Resonanz, die ihm nicht fremd war, aber auch nicht ganz vertraut. Es war, als ob der Klang in der Luft hing und sich mit den Schatten der Vergangenheit verband. Und in diesem Moment fühlte er sich mit einem Mal so unendlich klein. Wie ein Flimmern im weiten Universum, ein Funken in der Dunkelheit, der bald schon wieder vergehen würde.
„Jeder Laut wie sanft im Klang…“, murmelte er, und doch wusste er, dass das, was er sprach, nicht nur sanft war. Es war eine Verbindung, ein Netz aus Schwingungen, das alles umfasste. Es war, als könnte er mit jedem Wort eine unsichtbare Brücke zu einer anderen Welt bauen – einer Welt, die er nur in seinen Gedanken zu fassen vermochte.
Die Lichter um ihn herum begannen sich zu verändern. Sie waren warm, doch nicht greifbar. Sie schwebten wie ein schützender Mantel über ihm, ein Licht, das nicht die Welt erleuchten sollte, sondern nur ihn. Es war, als könnte er mit diesen Lichtern sprechen, als könnten sie ihm antworten, ihn leiten, ohne ein einziges Wort zu verlieren.
Doch die Welt um ihn war nicht nur warm. Sie war auch finster, auch grau. Es war das gleiche Grau, das er aus den Straßen kannte, aus den Ecken der Stadt, die er nie betreten wollte, aus den Blicken derer, die er nie wirklich verstand. Und so stand er da, im Zwielicht zwischen zwei Welten, zwischen dem, was war und dem, was er sich erhoffte.
„Finster und Grau“, dachte er, „im Durchschnitt zu allem.“ Es war der Zustand, in dem sich alles befand – das Leben selbst, die Beziehungen, die Gedanken, die Gefühle. Nichts schien besonders oder außergewöhnlich. Alles war eine Ansammlung von Momenten, die sich in einem immerwährenden Kreislauf drehten. Doch in diesem Grau, in dieser Dunkelheit, spürte er das Leben in seiner reinsten Form.
„Sind wir nur das, was wir zu sein scheinen?“, fragte er sich. „Sind wir nur das, was der Durchschnitt von allem ist?“
In diesem Moment fühlte er sich kleiner als je zuvor. Ein winziger Teil eines großen Ganzen, das er nicht ganz begriff. Doch gleichzeitig war da dieses leichte Gefühl von Freiheit, das ihm sagte, dass er mehr sein konnte. Mehr als nur die Summe seiner Teile.
„Wir sind, was wir zu sein glauben“, murmelte er schließlich, als er das leise Murmeln der Worte in sich aufnehmen konnte. Vielleicht war das die Antwort, die er suchte – nicht die Kombination der Buchstaben, nicht der richtige Klang, sondern die Erkenntnis, dass die Bedeutung von allem nur in ihm selbst lag.
Und so setzte er seinen Weg fort, in das unbekannte Dunkel, begleitet von den sanften Klängen und den warmen Lichtern, die ihn auf eine Reise führten, deren Ziel er noch nicht kannte. Doch er wusste, dass er irgendwann dort ankommen würde, wo die Fragen nicht mehr nötig waren, weil die Antwort in jedem einzelnen Schritt lag.
© Serjan
Copyright-Zeichen – ein Zeichen für das Urheberrecht
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